über Mich

Ich wurde 1977 geboren. Seit meiner Geburt bin ich schwerstbehindert und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Ich habe eine infantile Zerebralparese mit Ataxie und Athetose. Auch eine Lautbildungsstörung gehört dazu, deshalb kann ich nicht richtig sprechen. Man muss mir das Essen eingeben, mir zu trinken geben, mich an- und ausziehen, aufs Klo bringen, waschen und vieles mehr. Am Computer bin ich jedoch selbstständig. Das alles und noch viel mehr zeige ich in meinen Videos. Diese kann man auf meinem YouTube-Kanal und hier auf meiner Homepage ansehen.

Mit acht Jahren kam ich in die Vorschule und mit neun Jahren in die erste Klasse im Zentrum für Körperbehinderte, der heutigen Hans-Schöbel-Schule. Mit zehn Jahren saß ich zum ersten Mal vor einem Computer. Das hat mein Leben verändert. Mit zwölf Jahren wurde mir ein PC für die Schule zur Verfügung gestellt. In derselben Zeit durfte ich einen Elektrorollstuhl testen. Das war richtig geil, weil ich mich zum ersten Mal alleine fortbewegen konnte. Davor wurde ich immer geschoben oder getragen. 1995 hatte ich meinen Hauptschulabschluss in der Tasche.

1997 arbeitete ich für ein Jahr in den Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg. Dort hatte ich drei Tage in der Woche bei den Johannitern einen ausgelagerten Arbeitsplatz. Die anderen zwei Tage war ich in der Werkstatt. Von 1998 bis 2001 durfte ich ins Berufsförderzentrum (bfz) in Würzburg. Dort erlernte ich im Rahmen eines Lehrgangs die Web- und Anwendungsprogrammierung. Ich war der erste Mensch mit einer schweren Körperbehinderung, der im bfz eine Fortbildung machen konnte. Danach arbeitete ich zehn Jahre als Programmierer in der Tochterfirma mig mbH der Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg. Seit April 2011 arbeite ich aus persönlichen Gründen nicht mehr.

Im August 2004 zog ich in eine vom Arbeiter-Samariter-Bund Würzburg betreute Wohngemeinschaft. Im Oktober 2011 zog ich in eine eigene Wohnung. Hier lebe ich selbstbestimmt. Ich habe meine Wohnung so eingerichtet, dass ich mit meinem Elektrorollstuhl alle Geräte erreiche, die ich selbst bedienen kann. Damals hatte ich sieben Stunden am Tag Assistenz und organisierte damit meinen Haushalt.

Seit September 2017 habe ich eine 24-Stunden-Assistenz, eine Individuelle Schwerstbehindertenassistenz, kurz ISA. Damit kann ich zu 100 Prozent selbstbestimmt leben und meinen Alltag individuell gestalten, so wie jeder andere Mensch auch.
Meine Assistenz unterstützt mich auch bei meinen Hobbys. Ich fahre gerne in die Natur, höre Musik, koche gern, filme mein Leben, schreibe Gedichte und Geschichten, spiele Schach, interessiere mich für Astronomie und beschäftige mich mit vielen weiteren Themen.

Wegen meiner Spastik ziehe ich nie Schuhe an. Meine Zehen sind sehr oft gekrümmt und meine Füße schmerzen, wenn ich Schuhwerk anhabe. Deswegen fahre ich überall nur mit Socken oder mit einer Strumpfhose hin.

Ich ziehe gerne Strumpfhosen an, da sie sehr bequem und warm sind. Vom Frühling bis zum Herbst ziehe ich meist Feinstrickstrumpfhosen an. Im Winter habe ich immer zwei Strumpfhosen an: eine Feinstrumpfhose und eine warme Strumpfhose. Zu Hause ziehe ich über die Strumpfhose keine normale Hose drüber. Das ist für mich bequemer, weil ich viel sitze und normale Hosen mich oft einengen. Außerdem können Hosen bei mir Druckstellen verursachen, besonders wenn ich lange im Rollstuhl sitze. In Strumpfhosen fühle ich mich zu Hause freier, wohler und beweglicher. Deswegen habe ich eine Strumpfhose in mein Logo integriert, da sie einfach zu meiner Person gehört. Ich stehe dazu!

An den Händen trage ich zu Hause Tag und Nacht Strümpfe, weil ich mich dadurch nicht so leicht selbst kratzen und verletzen kann. Sie schützen meine Haut und helfen mir im Alltag, besonders wenn meine Bewegungen unkontrolliert sind.

Im August 2007 probierte ich ein Urinalkondom zum ersten Mal aus. Es funktionierte sehr gut. Ich versuchte es noch einige Male mit Erfolg und entschied, mir auch welche verschreiben zu lassen. Ich habe Urinalkondome mehrere Jahre lang oft genutzt. Aus meiner Erfahrung kann ich sie anderen schwer körperbehinderten Männern empfehlen, die alleine unterwegs sind.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Menschen erkennen, was sie tun. Denn wenn es so weitergeht, werden vielleicht einige Texte von mir Realität. Das wäre nicht gut. Mir macht es Angst, wenn ich sehe oder höre, was zurzeit auf unserer Welt alles passiert. Da denke ich mir oft: Wie lange kann ich noch so leben, wie ich heute lebe? Denn wenn unser System zusammenbricht, dann sind die behinderten, kranken und alten Menschen verloren.
Jeder Mensch sollte das bekommen, was er braucht, und nicht nur das Minimum. Denn leider kann man sich sein Leben nicht aussuchen.